Wie soll der ROI verstanden werden?

ROI DollarAlle, die Unternehmer sind, werden vielleicht schon einmal den Begriff ROI gehört haben. Dieser Begriff steht für „Return on Investment“. Diese Kennzahl ist eine Art Rentabilitätskennzahl für viele Firmen. Ist der ROI positiv, dann kann die Investition durchgeführt werden, denn dann wird sie als wirtschaftlich interpretiert. Aber ist diese Art zu denken betriebswirtschaftlich unbedenklich?

Wie wird der ROI berechnet?

Wie der Name schon suggeriert versucht man mit dieser Kennzahl den Rückfluss aus einer Investition zu berechnen. Der gesamte Rückfluss jedoch bedeutet nicht, dass dies ein Gewinn darstellt. Denn nicht zu vergessen sind hier natürlich auch die Kosten, die entstehen. Dabei darf jedoch nicht vernachlässigt werden, dass nur die Kosten herangezogen werden dürfen, die unmittelbar mit dieser Investition in Verbindung stehen.

Das bedeutet also, dass z.B. Fixkosten, die auch vor der neuen Investition entstanden waren, nicht berücksichtigt werden dürfen. Nur die Kosten, die tatsächlich der neuen Investition direkt zurechenbar sind, müssen in die Kalkulation des Betriebsgewinns einfließen.

Wird für die neu durchzuführende Investition Fremdkapital aufgenommen, wird natürlich der Rückfluss aus der Investition um die zu zahlenden Zinszahlungen minimiert. Bedeutet dies nun auch, dass man bei der Berechnung des ROI die Zinsen berücksichtigen muss und dementsprechend die Umsätze um die Zinszahlungen kürzen muss?

Hier gibt es unterschiedliche Meinungen. Eines ist jedoch klar: Die Zinsen, die gezahlt werden müssen, wurden auch mit der Investition verdient. Das bedeutet, diese Zinsen vermindern zwar den Return, sind jedoch Teil des Returns. Daher sollte man die Investition mit zwei unterschiedlichen ROIs betrachten. Einmal der ROI, welcher alle Rückflüsse betrachtet und zum einen der ROI gekürzt um die zu zahlenden Zinsen.

Warum sollte man dies so machen? Wenn man die Zinsen in die ROI-Kalkulation einbezieht, dann wird der ROI reduziert und falsche Schlussfolgerungen sind die Folge. Man würde die Investition als unwirtschaftlich deklarieren, obwohl ja die Investition an sich keine Zinszahlungen verursacht. Die Zinszahlungen entstehen ja nur deswegen, weil dem Unternehmer kein Kapital zur Verfügung steht und nicht weil die Investition diese Zinszahlungen verursacht.

Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich aus dem ROI?

Grundsätzlich wird gesagt, dass, wenn der ROI positiv ist, die Investition wirtschaftlich ist und somit durchgeführt werden sollte.

Als Beispiel kann man solch einen Fall betrachten:

Eine Investition verlangt einen Kapitaleinsatz von 100.000€.

Es werden 130.000€ verdient, also beträgt der Rückfluss 30.000€. Nun dividiert man die 30.000€ durch die anfänglichen 100.000€ und erhält einen ROI von 30%.

30% hören sich nicht schlecht an, aber als richtiger Unternehmer muss man sich weitere Fragen stellen:

  1. Was wären die Alternativinvestitionen und welchen ROI würden diese erzeugen?
  2. Innerhalb welcher Zeit sind diese 30% zu erzielen?

Insbesondere der zweite Umstand wird von vielen vergessen. Wenn Sie eine Investition haben, die 30% innerhalb von einem Jahr bringt, eine zweite Investition nur 17% innerhalb von 6 Monaten, dann sollte man die zweite Investition durchführen, denn diese bringt in einem Jahr 34%. Dies gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass eine Weiterführung der zweiten Investition möglich ist.

Fehlinterpretation des ROI

Viele können auch den ROI missinterpretieren. Dies passiert dann, wenn man sich rigoros nur an dieser Kennzahl orientiert. Der ROI als Kennzahl selbst zeigt nämlich „nur“ wie wirtschaftlich eine Investition in Form einer Rendite ist, sie zeigt aber nicht direkt wie viel man in absoluter Größe verdient.

Als Beispiel nehmen wir zwei Investitionen, wo die eine einen Kapitaleinsatz von 150.000 benötigt, die andere eine von 200.000.

Die erste bringt einen Return von 30.000, die zweite 35.000. Somit beträgt der ROI für die erste Investition 20%, für die zweite Investition beträgt sie nur 17,5%. Demzufolge müsste man die erste Alternative bevorzugen, denn diese hat einen höheren ROI.

Dies wäre jedoch betriebswirtschaftlich gesehen eine Fehlentscheidung, denn mit der zweiten Investition verdient der Unternehmer 5.000€ mehr!

Daran erkennt man, dass die bloße Betrachtung des ROI zu Fehlentscheidungen führen kann. Letzten Endes ist es für den Unternehmer am wichtigsten, wie viel er durch eine bestimmte Vorgehensweise innerhalb einer bestimmten Zeit einnehmen kann. Daher müssen neben dem ROI immer auch die absoluten Gewinngrößen betrachtet werden, denn nur sie zeigen, wie viel tatsächlich verdient wurde.